Ein wenig Historie Teil 1

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Der Schützenzug “Querschläger” wurde im Jahre 1922 gegründet von Mitglieder des Radfahrverein “Vorwärts”, der damals in Willich zu den gesellschaftlichen Eckpfeilern gehörte. Neben den sportlichen Aktivitäten dieses Vereins spielten Geselligkeit, Familiensinn und Heimatverbundenheit bei den Mitgliedern eine entscheidende Rolle. Es nimmt also nicht wunder, dass die Radler auch das größte Willicher Heimatfest für sich entdeckten und einen eigenen Schützenzug aus der Taufe hoben. So lautet denn auch heute noch der offizielle Name der Querschläger “Erster Schützenzug des Radfahrverein Vortwärts 1922”. So ist das alte Wappen des Radfahrvereins “Vorwärts” heute noch fester Bestandteil des Königssilbers und des Querschläger-Logo in Briefköpfen und Autoaufklebern.

Der Beiname, besser Spitzname “Querschläger” wurde schon früh geprägt. Die Schützen waren wieder einmal aus der Rolle gefallen und der Zugführer kommentierte nur trocken: “Ihr seid richtige Querschläger” – ein Name war geboren und wurde mehr und mehr zum Markenzeichen. Auch heute noch wissen die Querschläger um ihren Auftrag, immer etwas anders sein zu wollen als andere: eine Tatsache, die schon so manchen Zugführer zur schieren Verzweiflung getrieben hat.

Diesem ersten Schützenzug des Radfahrvereins sollten noch zwei weitere folgen: Treue Kameraden (1950), Hüldöppkes (1954).

Erinnerung an die Gründungsjahre unseres Schützenzuges

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Die Zusammenkünfte der alten Querschläger fanden jeden Sonntag bei Bonten statt. Es waren keine offiziellen Versammlungen heutigen Stils, vielmehr eine Art Stammtischrunde von Leuten, die sich gut kannten und einen gemeinsamen Hang zur Geselligkeit hatten (aus einer solchen Stammtischrunde wurde wohl auch die Idee geboren, 1922 zum ersten Male mitzumarschieren). Da sich sowie alle Sonntags trafen, konnten Vorschläge und Ideen gleich behandelt werden. Die Mutter der Kompanie, stiftete in jedem Jahr das Blumenhorn …

Das Alter der Schützenbrüder war ziemlich einheitlich, es bewegte sich um die 25 Jahre. Die Schwankungen betrugen 2 – 3 Jahre.

Das Gründungsjahr 1922 fiel in die schlechte Zeit. Ein Spruch aus dieser Zeit: “Et es ´ne uesel ende welt, völl papier on wennes jelt…” (St. Tönis, Berg Wilhelm).

So erzählte ein alter Schützenbruder: “Da hatten wir eines abends einmal 1.000.000 Mark in der Tasche. Wir nahmen uns vor, damit am nächsten Abend rauszugehen und das Geld auf den Kopf zu hauen. Der Tag verlief auch noch gut, doch als der Abend kam, mussten wir feststellen, dass das Geld nicht einmal für den Eintritt reichte. Ja, das war die Inflation…”

Die schönste Woche des Jahres, war immer die Woche vor dem Schützenfest, die Übungswoche. Es ging dann in Formation nach Hannen auf der Hardt. Der Zugführer Albert Rahm ließ auf dem Wege dorthin an jedem zweiten Laternenmast eine Parade machen. So hatten man den richtigen Durst, um bei Hannen einzukehren. Der Rückweg verlief ebenso und endete meist bei Schiffer oder bei Bonten…

Kurze Zeit, nachdem Albert Rahm nach Norf zog, wurde er dort Schützenkönig. Natürlich durften auch Vertreter seines ehemaligen Willicher Zuges nicht fehlen. Mit dem Brennabor-Auto des Kassierers Jakob Breuers ging es nach Norf. Dieser Besuch dürfte wohl in die dortigen Annalen eingegangen sein, denn anschließend fehlten Toilettenspiegel, Schützenkränze, sogar ganze Blenden (Fensterläden) fanden ihren Weg nach Willich…

In einem Jahr gab es vom Radfahrverein einen Zuschuss von zwanzig Mark für den Zug. Das war damals wohl etwas mehr wert als heute und so machte sich der Zug auf, um diese Freude tüchtig zu feiern. Der Weg ging nach Metzen und dann de janze hellje-hüskes wier terück. So kam man beim Höfkes-Metzger vorbei und die ganze Meute fiel dort ein. Der Zugführer (Rahm) griff sich die Schneidemaschine, auf der ein Stück Schinken lag und schnitt und schnitt … – bis die gute Metzgersfrau meinte: “Joe jonges, dat wat err afsnitt, dat mör err och neeme”! “Wat?” meinte ein Schützenbruder daraufhin “dar es os noch neeit jenoch, hat err neeit noch miir?”, nahmen sich noch die letzten Blutwurstringe und weiter ging es nach Bonten. Sie mussten schön ausgesehen haben, dass der alte Bonten (de doch waal er´s kniipiswoer) noch das Brot zu der Mahlzeit gab.

Früher wurde der Standort der einzelnen Züge beim Schützenfest ausgelost. Jeder Schützenzug hatte einen Vertreter, der auf der Generalversammlung für den Zug das Los zog. Im Jahre 1929 war es Reuter Heinrich, der für den Zug des Radfahrvereins die No. 2 zog (No. 1 war traditionsgemäß dem Zug von Hütz Robert vorbehalten). Ein anderer Zug versuchte seinen Platz für ein Fass Bier zu tauschen. Ob unsere Ur-Querschläger zu Stolz waren, oder ob ein Fass Bier bei einem solchen Fall zu wenig war – Ich weiß es nicht: Jedenfalls kam der Handel nicht zustande…

Ein wenig Historie Teil 2

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Überhaut fühlen sich die Vorwärtszüge durchaus noch miteinander verbunden. So marschierten zum Beispiel einer alten Tradition zufolge Querschläger und Treue Kameraden bei Umzügen und Paraden des Willicher Schützenfestes in jedem Jahr gleich hintereinander und bringen hierdurch die gemeinsamen Wurzeln zum Ausdruck. Auch die Idee aus dem Jahr 1985 haben diese beiden Züge in den letzten Jahren wieder aufleben lassen und hier schon eine kleine Tradition entwickelt. Denn beide Zügen treten bei der Montagparade in einem gemeinsamen Block an, angeführt von den beiden Zugführern und Füllhornträgern: Das schafft Gemeinsamkeit, da lebt denn auch der alte Radfahrverein nochmal ein wenig auf. Und wenn auch die Kommentatoren Karl von Bökel und Franz Auling in den letzten Jahren etwas aus ihrem Konzept geraten sind ob dieser geballten “Vorwärts” drängenden Kraft – der herrliche Anblick dieser Formation wird vom Publikum immer wieder dankbar aufgenommen und mit Applaus quittiert. Und wenn es dann geklappt hat (und es klappt immer) gibt´s Jubel bei den Schützen: Das war mal wieder was!

Es ist nicht einfach, aus den Anfängen des Zuges zu berichten. Schriftliche Aufzeichnungen sind nicht vorhanden und es gibt nur noch die Erinnerungen unseres Feldwebels Otto Stark, die später einmal niedergeschrieben wurden. Die älstesten Aufzeichnungen stammen aus dem Jahr 1960, als sich die Querschläger erstmal drauf besannen, dass es Papier und Tinte gibt, mit denen man Berichte und Protokolle fertigen kann. Schriftführer wurde damals Hans Wollny, dem wir die Protokolle aus dieser Zeit und einige schriftliche Hinweise auf die Gründungsjahre verdanken. So wissen um die Namen der Gründungsmitglieder: Albert Rahm, Toni Hückels, Peter Post, Peter Wilms und Heinrich Reuter waren die Vorwärts-Sportler, die einen eigenen Schützenzug auf die Beine stellen wollten. Erster Zugführer war Albert Rahm.

In der Sitzung am 16. Januar 1960, zu der die Aufzeichnungen beginnen, wurde Otto Stark zum Feldwebel gewählt. Zugführer war damals seit einem Jahr Erich Geifes, dessen besonderes Verdienst es schon wenige Jahre später sein sollte, den Zug für junge Menschen zu öffnen und attraktiv zu gestalten. Vorausschauend wie wer war wollte er hierdurch den Bestand des Zuges in das nächste Jahrtausend hinein sichern. Das diesjährige Jubiläum haben die Querschläger vor allem diesem Zugführer zu verdanken.

Der Kassenbestand des Zuges sah damals aus heutiger Sicht betrachtet nicht gerade rosig aus: Spargelder für das Schützenfest insgesamt 331,94 DM; die Vergnügungskasse hatte ein Plus von 98,50 DM. Große Feste oder Ausflüge konnten hiermit eigentlich nicht finanziert werden. Trotzdem: die Geselligkeit kam nicht zu kurz. Das Vogelschießen am Himmelfahrtstag im Garten von “Wilddieb” Otto Gahlau war erster Höhepunkt des Jahres. “Nach hartem Kampf”, so die Chronik, wurde Richard Bürck Zugkönig und repräsentierte den Zug beim 75 jährigen Jubiläumsschützenfest. Übrigens nahm der Schützenzug in diesem Jahr nicht ganz geschlossen am Schützenfest teil. Ein Schützenbruder war leider durch Auswärts-Montage verhindert – ein Umstand, wie es die Querschläger auch in den Folgejahren immer wieder einmal treffen sollte.

Wie die Querschläger es auch immer mit ihrer schmalen Kassen angestellt haben, Ausflüge gab es auch in den damaligen knappen Zeiten. Im Jahr 1960 war Winningen an der Mosel Ziel der Reise, die über zwei Tage ging. In 1961 machten Schützen gemeinsam mit ihren Frauen einen Tagesausflug nach Ockenfels.

90 Jahre Querschläger

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Im Jahr 2012 gab es wieder was zu feiern! Der Schützenzug Querschläger ist 90 Jahre alt geworden. “Nach hartem Kampf” beim Vogelschießen, hatte es unser Schützenbruder Markus Brohsen nicht nehmen lassen den Vogel von der Stange zu schießen. Zu seinen Schuhputzern (Ministern) ernannte er seine Schützenbrüder Kazimier Irisik und Benedikt Buchholz. Gefeiert wurde dieses Jubiläum im Juni in unserem damaligen Wachlokal der Gaststätte “Zum Kaisersaal Schiffer”, die Feier ging bis in die frühen Morgenstunden. Da wir beim Schützenfest die Ehre hatten, auf vorletzter Stelle des Regiments laufen zu dürfen, hatten wir es uns natürlich am Montagabend bei der Abschlussparade des Schützen und Heimatfestes gemeinsam mit den Freunden vom Jägerzug Treue Kameraden in einer Formation an Schützenkönig und Zuschauern vorbei zu marschieren. Zu erst liefen wir als Block auf Position der Treuen Kameraden (diese liefen in der Mitte des Regiments) um dann später das gleiche Spielchen nochmal auf unserer Position zu veranstalten. Den damaligen Kommentator Franz Auling hatten wir damit einwenig aus seinem Konzept gemacht.

Wie es bei den Querschlägern alte Tradition ist, wird in der Regel alle 2 Jahre eine Herrentour die über ein Wochenende geht gemacht. Unser Ziel im Jubiläumsjahr war Amsterdam, die Tour wurde durch unseren Schützenbruder Michael Lehmann organisiert. Gut 2 Wochen nach der Herrentour, unternahmen die Querschläger gemeinsam mit ihren Frauen eine Planwagen Tour. Diese startete in Schiefbahn auf dem Diepeshof, ging über Kleinenbroich und Korschenbroich und endete dann wieder in Schiefbahn.

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